Lexikon – Fachbegriffe der Physiotherapie

  • Bobath

    Das Bobath-Konzept ist heute unbestritten das erfolgreichste und anerkannteste Pflege- und Therapiekonzept zur Rehabilitation von Patienten mit Schlaganfall und anderen Erkrankungen des Zentralnervensystems. Es wurde Anfang der 40er Jahre von der Krankengymnastin Bertha Bobath und ihrem Mann, dem Neurologen Dr. Karl Bobath entwickelt. Seither wird es weltweit kontinuierlich weiterentwickelt. Das Konzept ist für Patienten mit Lähmungen (Paresen, Plegien) und Störungen des Muskeltonus (Spastik), durch angeborene oder erworbene Hirnschäden und andere Krankheiten des ZNS (Zentrales Nervensystem), z.B. Schlaganfall (Apoplex), Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma (SHT), hypoxische Hirnschädigung, Hirn- und Wirbelsäulen-Tumore, Multiple Sklerose (MS).

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  • Kiefergelenkbehandlung bei Cranio Mandibulärer Dysfunktion (CMD)

    Programmierte Bewegungsabläufe wie Gehen, Laufen, Greifen, Sprechen, Kauen werden über stereotype Bewegungsmuster gesteuert. Sichtbare muskuläre Dyskoordination können das Ergebnis „falscher“ Stereotypien als Folge einseitiger Anforderungen an die Kaumuskulatur sein. Sichtbar wird dies z.B. in einer muskulär bedingten unkoordinierten Mundöffnungsbewegung. Wichtig ist eine getrennte Untersuchung von Kaumuskulatur und Kiefergelenk.

    Physiotherapeutische Maßnahmen werden bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

    • Koordinationsstörungen der Kaumuskulatur, muskuläres Ungleichgewicht, Spannungsgefühl
    • Schmerzen im Schulter-, Nacken-, Kiefer- und Gesichtsbereich
    • Kiefergelenkssperre
    • Tinitus und Ohrgeräusche

    PDF-DownloadFlyer Kiefergelenkstörungen (CMD) (PDF, 723k)

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  • Gerätegestützte Krankengymnastik (KG-Gerät)

    Die Krankengymnastik am Gerät kann als Einzeltherapie oder Gruppenbehandlung mit 2-3 Patienten an Seilzug- und/oder Rehatrainingsgeräten bei Indikationen wie z.B. chronischen, posttraumatischen oder postoperativen Erkrankungen der Extremitäten oder des Rumpfes durchgeführt werden. Bei Muskeldysbalancen, krankheitsbedingter Muskelschwäche oder peripheren Lähmungen ist das Therapieziel die Verbesserung bzw. Normalisierung der Muskelkraft und der Kraftausdauer.

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  • Kinesiologisches Taping

    Ein neues Tapingkonzept, bei dem mit Hilfe flexibler Tapes und speziell entwickelten Anlagetechniken erstaunliche Erfolge erzielt werden. Die Anlagetechniken haben zentralen Einfluss auf den Spannungszustand der Muskulatur. Denn nach einem Gewebstrauma wird eine Entzündungsreaktion ausgelöst, dadurch entsteht eine lokale Schwellung, die auf das umliegende Gewebe eine Druckerhöhung ausübt. Dadurch wird der Blutkreislauf gestört, der Lymphabfluß gehemmt und der Druck auf die Schmerzrezeptoren nimmt zu. Je nach Anlage des Tapes wird eine anregende, entspannende oder abschwellende Wirkung erzielt. Anwendungsbeispiele: Muskelfunktion verbessern durch Spannungsreglation (z.B. Verspannungen, Tennisarm Schulterbeschwerden), Hemmungen im Blut- und Lymphkreislauf beheben (z.B. Ödeme, Hämatome), Schmerzlinderung (z.B. Wirbelsäulensyndrome, Hexenschuss, Achillessehne).

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  • Manuelle Lymphdrainage (MLD/KPE)

    Im Zusammenhang mit der Manuellen Lymphdrainage werden auch Begriffe wie Therapeutische Lymphdrainage (TL) oder Komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) verwendet. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass die manuelle Grifftechnik allein nicht immer ausreicht, um der Stauungsproblematik gerecht zu werden sondern auch oft von der Kompressionstherapie unterstützt werden muss. Dies geschieht in Form von Bandagen oder Maßstrümpfen.

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  • Manuelle Therapie

    Die Manuelle Therapie befasst sich mit reversiblen (wiederherstellbaren) Funktionsstörungen der Extremitäten und der Wirbelgelenke. Über den Untersuchungsbefund lässt sich das Störfeld herausfinden. Die Behandlung erfolgt über passiv geführte dreidimensionale Bewegungen (Traktion, Gleiten), die der Patient selbst nicht durchführen kann. Das zusätzlich durchgeführte Trainingsprogramm zielt bei den Gelenken auf Mobilisation und Stabilisation, bei der Muskulatur auf Koordination und Kraft.

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  • Manuelle Therapie nach Cyriax

    Anzuwenden bei allen reversiblen Bewegungseinschränkungen am Bewegungsapparat z.B. HWS-, BWS-, LWS-Syndrom, Schulterschmerz, Kopfschmerz, Arthrose, Schultersteife, Mobilisierung nach OP, Verletzungen.

    In der Therapie nach Cyriax werden mit speziellen – von James Cyriax (englischer Orthopäde) entwickelten – Funktionsprüfungen die Strukturen des Bewegungsapparates, insbesondere der Weichteile befundet. Die so als Störfaktor exakt herausgearbeitete Struktur wird dann v.a. mit Querfriktionen behandelt, um Gewebsadhäsionen zu verhindern, bzw. um bereits bestehende Adhäsionen nach Gewebsschädigungen zu lösen.

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  • PNF – Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (Kabat)

    Die PNF-Methode wurde in den Jahren von 1946 bis 1951 vom Neurophysiologen Herman Kabat (1913–1995) und der Physiotherapeutin Margaret Knott (1913–1978) in Vallejo (Kalifornien, USA) entwickelt. Die Methode beansprucht für sich, auf den von Charles Scott Sherrington (1857–1952), Frances Anna Hellebrandt (1901–1992) und anderen entdeckten Grundprinzipien der Neurophysiologie aufzubauen, ist aber pragmatisch entwickelt worden und geht weit über wissenschaftlich gesichertes Wissen hinaus.

    Bei der PNF-Methode wird u. a. versucht, gestörte Bewegungsabläufe zu normalisieren. Dazu werden die Druck- und Dehnungsrezeptoren in Muskeln (Propriozeptoren), aber auch Sehnen, Gelenkkapseln und Bindegewebe z. B. durch Druck, Dehnung, Entspannung oder auch Streckung stimuliert. Diese Abläufe werden in bestimmten festgelegten Reihenfolgen durchgeführt. Dadurch kommt es in den Muskeln zu einer vermehrten Reaktion, also z. B. einer vermehrten Muskelkontraktion oder -entspannung.

    Sie gehört zu den „Basis-Methoden“ der Physiotherapie und zeichnet sich durch komplexe Bewegungsmuster aus, welche grundsätzlich in diagonalen Mustern (sogenannte Pattern) verlaufen.

    Wichtig bei der PNF ist die Summation von Reizen, sei es exterozeptiv (taktil, visuell, akustisch) oder propriozeptiv (über Muskel-, Gelenk- und Sehnenrezeptoren), um ein möglichst umfassendes Ergebnis zu erreichen.

    Behandlungsziele

    • Muskelspannung normalisieren (z. B. Spastik herabsetzen oder schwache bzw. gelähmte Muskeln aktivieren) = fazilitieren
    • Fördern der motorischen Kontrolle
    • Fördern der Mobilität
    • Fördern der dynamischen Stabilität, Ausdauer, Kraft
    • Fördern der Geschicklichkeit, Koordination

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  • Reflektorische Atemtherapie

    Die Methode der Atemtherapie ist ein in zwei Jahrzehnten entwickeltes Verfahren, das in seiner Wirkungsweise empirisch gesichert ist. Der Grundgedanke der auf die sog. Atemmassage von Dr. J. L. Schmitt zurückzuführenden Konzeption macht sich in konsequenter Weise die Tatsache zunutze, dass die Atmung reflektorisch beeinflusst wird. Hierbei werden vor allem Schmerz-, Dehnungs-, Klopf- und Vibrationsreize gesetzt, mit der Wirkung, dass es, bisweilen nach einem Atemanhalten, zu vertiefter Inspiration kommt.

    Neben dieser reflektorisch hervorgerufenen Vertiefung der Atemzüge werden über die sog. Headschen Zonen nervös reflektorische Wirkungen auf die inneren Organe erzielt (im Sinne der Segmenttherapie). Daraus ergeben sich zahlreiche Indikationen auf internistischem Gebiet bei obstruktiven und restriktiven Ventilationsstörungen, vegetativ-dysregulatorischen Syndromen der Atmung, des Herzkreislaufsystems, des Magen-Darm-Traktes und bei zahlreichen orthopädischen Erkrankungen, speziell jenen, die mit einer Atemreduktion verbunden sind (z.B. Skoliosen).
    (nach Dr. D. Spazier, Neurologe)

    Die reflektorische Atemtherapie gliedert sich in eine Wärmebehandlung, eine manuelle Therapie und in die Atemgymnastik. Mit der manuellen Therapie werden Voraussetzungen für eine optimale Form des Atembewegungsablaufs geschaffen. Aufgrund gezielter Druckverschiebungen in Haut und Muskeln sowie durch Schmerzreize unterschiedlicher Dosierung wird eine nervös reflektorische Steuerung in Gang gesetzt und somit unwillkürlich eine Veränderung der Atembewegung hervorgerufen.
    (nach L. Brüne)

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  • Schlingentischtherapie

    Als Schlingentisch oder Schlingentischtherapie bezeichnet man eine Behandlungsform zur Entlastung der Gelenke und der Wirbelsäule. Dabei wird der Körper oder Teile des Körpers in Schlingen und an Seilzügen aufgehängt.

    Die Behandlung im Schlingentisch dient der Entlastung der Gelenke, in erster Linie der Wirbelsäule (häufige Anwendung bei Bandscheibenvorfällen). Dabei können unter Abnahme der Eigenschwere nicht nur die Gelenke mobilisiert werden, sondern auch die Muskulatur entspannt und später besser gekräftigt werden. Das Ziel der Behandlung ist Schmerzlinderung und Entspannung durch Entlastung.

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  • Skoliosebehandlung nach Schroth

    Die dreidimensionale Skoliosebehandlung nach Schroth wurde von Katharina Schroth zwischen 1910 und 1920 entwickelt und ab 1921 erfolgreich am eigenen Institut an Patienten angewendet. Die Behandlung ist eine deformitätsspezifische Rückenschule, welche der teilfixierten Seitverbiegung der Wirbelsäule entgegenwirkt. Aus der seit 1988 eingerichteten Forschungsabteilung der Katharina-Schroth-Klinik liegt mittlerweile eine Anzahl wesentlicher Publikationen vor, welche vor allem die krankengymnastische Behandlung von Skoliose-Patienten betreffen.

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